Civita – Teufelsbrücke und arbëreshë-Gemeinschaft
Im Herzen des Pollino liegt Civita, ein arbëreshë-Dorf, in dem noch heute altes Albanisch gesprochen wird und die Teufelsbrücke schwindelerregende Schluchten überspannt.
Foto: Mongolo1984 (CC BY-SA 4.0) — Wikimedia Commons
Civita: das versteckte Albanien im Pollino
Es gibt Orte in Italien, an denen man eine unsichtbare Grenze überschreitet. Civita ist einer davon: ein Dorf mit dreihundert Seelen, das am Rand der Raganello-Schluchten thront, im Herzen des Pollino-Nationalparks, wo seit über fünf Jahrhunderten arbëreshë gesprochen wird – eine archaische Variante des Albanischen, die im 15. Jahrhundert von Flüchtlingen vor dem osmanischen Vormarsch hierher gebracht wurde. Die Schilder sind zweisprachig, der Ritus byzantinisch, und die Schornsteine der Häuser haben anthropomorphe Formen, die an stille Wächter erinnern. Civita ist eine Reise in der Reise, eine andere Nation in Kalabrien.
Was man in Civita sehen sollte
Die Teufelsbrücke
Der wahre Name lautet Ponte di Civita, doch alle nennen sie Teufelsbrücke – der Legende nach hätte nur der Teufel einen so kühnen Steinbogen über eine mehr als hundert Meter tiefe Schlucht bauen können. Man erreicht sie über eine kurze Wanderung vom Dorf aus (rund 30 Minuten zu Fuß, ausgeschilderter Pfad), hinunter zwischen Macchia und Kalkfelsen bis zum Canyon des Raganello. Der Blick von der Brücke ist schwindelerregend: Die Felswände engen sich unter den Füßen ein und der Wildbach fließt tief unten zwischen geglätteten Felsblöcken. Sie ist auch der Zugangspunkt zum berühmten Raganello-Canyon, der mit autorisierten Führern durchquert werden kann.
Das Dorf und die sprechenden Schornsteine
Civita ist klein, aber voller Charme. Die Steinhäuser der Altstadt zeigen anthropomorphe Schornsteine – Formen, die an menschliche Köpfe, stilisierte Gestalten, groteske Gesichter erinnern – eine architektonische Einzigartigkeit, die vielleicht als apotropäischer Schutz gegen böse Geister zu erklären ist. Jeder Schornstein ist anders, und die Suche nach ihnen in den Gassen wird zu einer stillen Schatzsuche. Der Hauptplatz ist ein natürlicher Balkon über den Raganello-Schluchten, mit einer Aussicht, die vor allem beim Sonnenuntergang den Atem raubt.
Die Kirche Santa Maria Assunta
Im griechisch-byzantinischen Ritus, bewahrt die Kirche eine hölzerne Ikonostase und feiert die Liturgie nach dem italo-albanischen Ritus, mit Gesängen in arbëreshë und Griechisch. Einer Messe beizuwohnen ist ein Erlebnis, das mehr an den Balkan als an Süditalien erinnert. Die arbëreshë-Gemeinschaft von Civita hält Traditionen wie die Vallja lebendig, einen kollektiven Tanz in Tracht, der zu Ostern in den Gassen des Dorfes stattfindet.
Das Ethnische Arbëreshë-Museum
Ein kleines Museum in der Altstadt dokumentiert die Geschichte der albanischen Diaspora in Kalabrien mit Trachten, Alltagsgegenständen, historischen Fotografien und Tafeln zur Sprache und den Traditionen. Es wird mit Leidenschaft von der lokalen Gemeinschaft geführt, der Eintritt beruht auf freiwilligen Spenden.
Was man essen sollte
Die Küche Civitas mischt kalabrische und arbëreshë-Traditionen:
- Dromësat – unregelmäßige Klößchen aus Mehl und Wasser mit Fleischragù und Salzricotta, das identitätsstiftende arbëreshë-Gericht
- Shtridhlat – handgemachte Bandnudeln, oft mit Tomatensauce und Basilikum
- Ziegenfleisch in Sauce – langsam über Stunden geschmort, serviert mit Bauernbrot
- Krostoli – frittierte, mit Honig überzogene Süßspeisen, die zu Festen zubereitet werden
Die wenigen Trattorien des Dorfes servieren feste Menüs zu sehr moderaten Preisen, mit fast ausschließlich lokalen Produkten.
Anreise
Civita liegt im Norden Kalabriens, rund 75 km von Cosenza und 30 km von Castrovillari entfernt. Mit dem Auto erreicht man den Ort über die A2 del Mediterraneo, Ausfahrt Frascineto-Castrovillari, weiter auf der SP263. Der nächste Bahnhof ist Sibari, etwa 40 km entfernt, mit Verbindungen nach Cosenza und Taranto. Von Castrovillari fahren Busse nach Civita, jedoch mit begrenzten Fahrzeiten. Ein Auto ist praktisch unverzichtbar. Der Flughafen Lamezia Terme liegt etwa zweieinhalb Stunden entfernt.
Wann hinfahren
Der Frühling (April-Juni) ist die ideale Zeit: Der Raganello führt genug Wasser, um spektakulär zu sein, die Wiesen blühen und die Temperaturen sind perfekt für Wanderungen. September und Oktober bringen klare Tage und Herbstfarben in den Wäldern des Pollino. Der Sommer ist heiß, aber lebhaft, mit arbëreshë-Kulturveranstaltungen. An Ostern verwandelt die Vallja das Dorf in eine Freilichtbühne – frühzeitig buchen, da die wenigen Unterkünfte schnell ausgebucht sind. Der Winter ist kalt und still, geeignet für alle, die absolute Einsamkeit suchen.
In der Umgebung
Die Raganello-Schluchten können mit autorisierten Führern in Tagestouren von etwa 5 Stunden begangen werden (Voranmeldung erforderlich). Morano Calabro, das andere große Dorf des Pollino, ist eine halbe Stunde entfernt. Wer höher hinaus möchte, startet vom Passo del Pollino auf Wanderwegen zum Serra Dolcedorme und den jahrtausendealten Zirbelkiefern.
Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Civita?
Il periodo consigliato è April, Mai, Juni, September e Oktober, quando è meno affollata.
Civita è affollata?
Civita è una meta molto tranquilla rispetto alle destinazioni più turistiche.
Dove si trova Civita?
Civita si trova in Civita, Kalabrien, Italien.
Anfahrt
- ✈️ Nächster Flughafen: Aviosuperficie "Conca del Re" ~11 km Luftlinie
Punti più vicini in linea d'aria (fonte OpenStreetMap): i tempi reali dipendono dalle strade, spesso di montagna.