Sardinien abseits der Routen: Dörfer des Hinterlandes und wenig bekannte Ziele
Reiseführer zum Sardinien abseits der Touristenrouten: Nuraghen, Nekropolen, romanische Kathedralen und Steindörfer des Hinterlandes, fern der Strände.
Foto: trevis_lu (CC BY-SA 4.0) — Flickr
Wer Sardegna nur von der Costa Smeralda kennt, hat nur eine Insel gesehen: die vom Juli und August, wo die Preise steigen und sich die Buchten füllen. Das Sardinien abseits der Touristenrouten ist etwas anderes, und es beginnt, sobald man sich dreißig Kilometer vom Meer entfernt. Es heißt Hinterland: Barbagia, Ogliastra, Logudoro, Sinis, Marmilla. Hier sind die Nuraghen zahlreicher als die Sonnenschirme, die Dörfer leben von Weidewirtschaft und dem Canto a tenore, und im Sommer ist es abends kühl. Dieser Führer versammelt die Ziele des Landesinneren, die einen Programmpunkt wert sind, wenn man die Insel verstehen und nicht nur bräunen möchte.
Der Supramonte
Beginnen wir beim steinernen Herzen. Im Supramonte, zwischen Oliena und Dorgali, verbirgt sich Tiscali, ein nuragisches Dorf, das in eine Doline gebaut wurde, einen Karsteinbruch, den man nur zu Fuß nach einer knappen Stunde Marsch erreicht. Die Hütten stehen im Berg, geschützt vor Sonne und Regen: Jahrhundertelang waren sie ein nahezu unsichtbares Refugium. Es ist die Wanderung, die besser als jede andere erklärt, warum die Sarden ins Innere und nicht auf die Küste blickten.
Wenn wir zwischen den Bergen bleiben, sind Lula und der Monte Albo das mineralische Sardinien schlechthin: ein weißestes Kalksteinmassiv, das das Nuorese überragt, Orte, in denen das Meer nur ein fernes Echo ist. Weiter südlich, in der Barbagia, ist Gavoi der richtige Ort, um wirklich zu entschleunigen: Der Fiore sardo (ein halbgekochter Pecorino) reift hier, der Gusana-See liegt zwei Schritte entfernt, und Ende Winter füllt sich der Ort für das Literaturfestival L'Isola delle Storie. Es ist die Barbagia, die man lebt, nicht die von der Postkarte.
Richtung Osten, in der Ogliastra, vereint Ulassai zwei Seelen, die selten aufeinandertreffen. Auf der einen Seite die tacchi, die mächtigen Kalksteintürme, die den Ort zu einer der europäischen Hauptstädte des Sportkletterns gemacht haben, mit der Grotte Su Marmuri und den Wasserfällen von Lequarci unweit des Orts. Auf der anderen die Kunst: Ulassai ist das Dorf von Maria Lai, und die Stazione dell'Arte im alten Bahnhof bewahrt ihre Werke, während auf den Straßen die Erinnerung an „Legarsi alla montagna" bleibt, die kollektive Performance von 1981.
Nekropolen im Fels
Dann gibt es das Sardinien, das den Fels für die Toten und die Götter aushöhlt. Die Domus de Janas von Montessu, im Sulcis, sind eine vornuragische Nekropole in einem natürlichen Amphitheater: Dutzende Hypogäen, die die Volkstradition den janas zuschrieb, den sardischen Feen-Hexen. Im Logudoro, über Bonorva, erzählt Sant'Andrea Priu fünftausend Jahre auf einen Schlag: in Basalt gehauene Gräber, die dann in eine Felsenkirche verwandelt wurden, mit noch lesbaren byzantinischen Fresken.
Die nuragische Ader ist unerschöpflich. Im Oristanese, auf der Hochebene von Abbasanta, ist der Nuraghe Losa einer der eindrucksvollsten der Insel: ein flechtenbedeckter Turm aus schwarzem Basalt, mit perfekt erhaltenen Korridoren und Tholos-Kammern. Nicht weit entfernt, in Paulilatino, ist der Heilige Brunnen von Santa Cristina das hydraulische Meisterwerk der nuragischen Zivilisation: eine Treppe, die bis zum Wasser unter die Erde führt, mit exakt eingepassten Steinquadern, deren Präzision noch heute sprachlos macht. Für die große Archäologie gibt es natürlich auch Barumini mit Su Nuraxi, UNESCO-Stätte, die in der Umgebung der Giara di Gesturi und ihrer wilden Kleinpferde ohnehin einen Besuch wert ist.
Die Romanik
Auch die Romanik blühte fern der Städte. In offener Landschaft, im Logudoro, erhebt sich die Kathedrale von Saccargia in schwarzen und weißen Streifen aus Basalt und Kalkstein, einsam zwischen den Feldern, mit einem Freskenzyklus in der Apsis. Auf derselben Hochebene wiederholt San Pietro di Sorres das bichrome Spiel des Steins in einer noch von Benediktinermönchen bewohnten Abtei: zwei Kirchen, die allein eine Reiseroute im Norden der Insel wert sind.
Schließlich, wo das Landesinnere wieder das Meer streift, aber leer von Menschenmengen bleibt, gibt es Tharros, die phönizisch-römische Stadt auf der Sinis-Halbinsel: Säulen, Thermen und gepflasterte Straßen direkt über dem Wasser, in einer Zone, in der die weißen Quarzstrände von Is Arutas viel ruhiger bleiben als die des Nordostens.
Praktische Ratschläge
Ein praktischer Rat: Für das Hinterland meide den Hochsommer und setze auf Mai-Juni oder September-Oktober, wenn in der Barbagia „Autunno in Barbagia" stattfindet und die Dörfer ihre Höfe mit Handwerk und Küche öffnen. Mit einem Auto und ein paar Tagen mehr schenkt dir das Sardinien abseits der Routen eine ganze Insel zurück, die die meisten Touristen nie sehen.
Praktische Reiseführer für Todi
Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Sardinien abseits der Routen?
Il periodo consigliato è Juni, Juli e September, quando è meno affollata.
Dove si trova Sardinien abseits der Routen?
Sardinien abseits der Routen si trova in Italien.