Melfi: die normannisch-staufische Burg und die Geheimnisse des Vulture
Antike normannische Hauptstadt, überragt von einer mächtigen Burg und umgeben von den Weinbergen des Aglianico, ist Melfi das Eingangstor zum Monte Vulture, einem erloschenen Vulkan und Schatzkammer der Biodiversität.
Foto: Demincob (CC BY 4.0) — Wikimedia Commons
Als Friedrich II. von Staufen Melfi als eine seiner Lieblingsresidenzen wählte und dort 1231 die Constitutiones Augustales erließ, das erste weltliche Gesetzbuch der westlichen Welt, war diese am Fuße des Monte Vulture thronende Stadt bereits seit fast zwei Jahrhunderten ein Knotenpunkt von Macht und Kultur. Hier hatten die Päpste ganze fünf Konzile einberufen, hier war Robert Guiskard zum Herzog von Apulien und Kalabrien ernannt worden, hier hatte die Geschichte des Mezzogiorno entscheidende Wendungen genommen. Heute bewahrt Melfi die Spuren jener Größe intakt, doch die Menge - nein, die gibt es hier nie.
Das Castello di Melfi ist der erste Eindruck der Stadt und verschlägt einem den Atem. Zehn Türme, eine Mauerlinie, die den gesamten Hügel umschließt, Wassergräben und Zugbrücken: Es ist eine der größten und besterhaltenen normannischen Burgen Süditaliens. Im Inneren beherbergt das Museo Archeologico Nazionale del Melfese den Sarcofago di Rapolla, ein Meisterwerk römischer Grabkunst aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., das eine auf einem Triklinium ruhende Frau darstellt, von einer Zartheit, die berührt. Die Räume des Museums erzählen die Geschichte des Territoriums von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter in einer schlichten, wirkungsvollen Präsentation.
Von der Burg herab durch die Straßen der Altstadt trifft man auf die Cattedrale di Santa Maria Assunta, 1076 vom Normannen Robert Guiskard gegründet. Der hohe, schlanke Glockenturm ist von der gesamten umliegenden Ebene aus sichtbar. Das im Laufe der Jahrhunderte umgestaltete Innere bewahrt eine vergoldete Kassettendecke aus dem 17. Jahrhundert und ein mittelalterliches Holzkruzifix von intensiver Ausdruckskraft. Weiter entlang der Via Normanni begegnet man Adelspalästen mit Portalen aus dem Lavastein des Vulture, einem dunklen, porösen Stein, der der Stadt einen strengen, faszinierenden Charakter verleiht.
Doch Melfi ist vor allem das Eingangstor zum Monte Vulture, dem einzigen erloschenen Vulkan im östlichen Süditalien. Dieses alte Vulkangebäude, dessen letzter Ausbruch etwa 130.000 Jahre zurückliegt, hat der Zone Böden von außergewöhnlicher Fruchtbarkeit geschenkt, die einen der großen italienischen Rotweine hervorbringen: den Aglianico del Vulture DOCG. Die Weingüter der Gegend verdienen einen eigenen Besuch: die Cantina di Venosa, Paternoster und Basilisco bieten Verkostungen mit Blick auf die Weinberge, die die Flanken des Vulkans hinaufsteigen.
Von Melfi führt eine Panoramastraße von etwa zwanzig Kilometern zu den Laghi di Monticchio, zwei smaragdgrünen Wasserflächen, eingebettet in die Zwillingskrater des Vulture. Der Lago Piccolo ist der stimmungsvollste, mit der Abtei San Michele, die sich in den bewegungslosen Wassern spiegelt. Der umliegende Wald ist eine Oase der Biodiversität: jahrhundertealte Buchen, Kastanien und Eichen beherbergen die Bramea, einen seltenen endemischen Nachtfalter, der hier 1963 entdeckt wurde und zum Symbol des Parks geworden ist. Ein Rundweg von etwa zwei Stunden umrundet beide Seen, zwischen Riesenfarnen und Mineralwasserquellen.
Zum Essen in Melfi ist die Locanda di Federico in der Via Normanni die gastronomische Referenz der Stadt. Der Küchenchef arbeitet mit Zutaten des Territoriums - Cardoncelli-Pilze, Wurst vom lukanischen Schwarzschwein, Oliven aus Ferrandina - und schafft Gerichte, die die Tradition mit leichter Hand neu interpretieren. Unverzichtbar sind die Strascinati mit Kastratenragù und die Peperoni cruschi, jene in der Sonne getrockneten und in heißem Öl frittierten roten Paprika, die das Symbol der lukanischen Küche sind. Für einen schnellen Imbiss backt die Panificio Grieco am Piazza Duomo seit 1920 Brot und Focaccia.
Melfi erreicht man über die A16 Napoli-Bari (Abfahrt Candela, dann SS303) oder die E847 Basentana (Abfahrt Potenza Nord, dann SS93). Von Neapel sind es etwa 150 Kilometer, knapp zwei Stunden. Der Bahnhof liegt an der Strecke Foggia-Potenza mit einigen Regionalzügen täglich.
Zum Übernachten bietet das Relais La Fattoria in einem restaurierten Landhaus im Umland zwischen Melfi und Rapolla Zimmer mit Blick auf den Vulture, Pool und eine Agriturismo-Küche, die allein die Reise wert ist. Die besten Monate für einen Besuch in Melfi und am Vulture sind Frühling und Herbst, wenn sich die Weinberge in leuchtendes Grün oder Feuerrot färben und die Temperaturen zu Wanderungen einladen. Im Oktober, während der Aglianico-Weinlese, öffnen viele Weingüter ihre Pforten für Erntetage und Verkostungen.
Melfi ist ein Ort, der einen zwingt, die mentale Karte Italiens neu zu zeichnen. Eine Stadt, in der man die gleichen Steine wie Friedrich II. betritt, einen Wein trinkt, der mit den besten Barolos rivalisiert, und keiner einzigen Reisegruppe begegnet. Wenn das nicht Undertourism ist, dann nichts.
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Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Melfi?
Il periodo consigliato è April, Mai, Juni, September e Oktober, quando è meno affollata.
Melfi è affollata?
Melfi è una meta quasi deserta rispetto alle destinazioni più turistiche.
Dove si trova Melfi?
Melfi si trova in Basilikata, Italien.