Via Francigena del Sud: zu Fuss durch Apulien und die Basilikata
Die Via Francigena del Sud durchquert Apulien und die Basilikata auf 400 km durch Masserie, Tratturi und Felsenkirchen bis nach Santa Maria di Leuca. Praktischer Fuehrer.
Foto: Michele (CC BY-SA 2.0) — Wikimedia Commons
Der vergessene Weg nach Jerusalem
Wenn die klassische Via Francigena - von Canterbury nach Rom - inzwischen ein beruehmter und gut organisierter Weg ist, so bleibt ihre Fortsetzung nach Sueden nahezu unbekannt. Historisch hielten die Pilger jedoch nicht in Rom an: Sie zogen weiter nach Brindisi oder Otranto, wo sie sich ins Heilige Land einschifften. Die Via Francigena del Sud folgt diesem Weg durch Apulien und die Basilikata, rund 400 Kilometer von Benevent bis Santa Maria di Leuca, dem "finis terrae" am italienischen Stiefelabsatz.
Es ist ein noch rauer Weg, mit schlecht markierten Abschnitten und minimaler Infrastruktur. Doch gerade diese Unfertigkeit macht seinen Reiz aus: Hier wandert man nicht in der Warteschlange, bucht nicht Monate im Voraus, konkurriert nicht um einen Stempel im Pilgerausweis. Man wandert im wahren Italien, das der Massentourismus vergessen hat.
Die Route: die Hauptabschnitte
Von Benevent nach Troia (rund 80 km, 4 Etappen)
Aufbruch in Benevent, samnitische und langobardische Stadt mit dem Trajansbogen und der Kirche Santa Sofia (UNESCO). Die ersten Etappen fuehren durch die Huegel der Irpinia, Land des Weizens und der Weinberge, wo der Aglianico entsteht, einer der grossen Rotweine des Suedens. Sie erreichen Troia, kleine Stadt der Capitanata mit einer romanischen Kathedrale, deren Rosette ein Meisterwerk durchbrochener Steinarbeit ist - elf radiale Saeulchen, die einen hypnotischen Lichteffekt erzeugen.
Von Troia nach Altamura durch das Tavoliere (rund 120 km, 5 Etappen)
Sie durchqueren das Tavoliere delle Puglie, die grosse Getreideebene, die im Sommer zu einem goldenen Meer wird. Diese Etappen sind psychologisch die anspruchsvollsten: die Landschaft flach und repetitiv, die Sonne unerbittlich, Schatten rar. Aber es sind auch die Etappen, in denen man der baeuerlichen Seele Apuliens begegnet, mit den befestigten Masserie und den Tratturi - den alten Wegen der Transhumanz, bis zu 111 Meter breit, heute auf Feldwege reduziert, aber noch erkennbar.
Man beruehrt Lucera mit seiner staufischen Burg und der Erinnerung an die sarazenische Kolonie Friedrichs II. sowie Canosa di Puglia mit den daunischen Graebern und dem Mausoleum Boemunds, des normannischen Kreuzritters. Altamura markiert den Eintritt in die Alta Murgia, mit seinem beruehmten Brot und der staufischen Kathedrale.
Von Altamura nach Tarent (rund 80 km, 4 Etappen)
Die Etappe durchquert die Murgia tarantina, eine Landschaft aus Gravinen und Weiden. Die Gravinen - karstige Canyons, Dutzende Meter tief - beherbergen freskengeschmueckte Felsenkirchen, einige aus dem 9. Jahrhundert. Laterza, Ginosa und Massafra sind die "Staedte der Gravinen", mit einem Felserbe, das dem von Matera vergleichbar, aber nahezu unbekannt ist. Die Ankunft in Tarent, mit der Altstadt auf der Insel zwischen den beiden Meeren, ist die Begegnung mit einer komplexen und widerspruechlichen Wirklichkeit.
Von Tarent nach Santa Maria di Leuca (rund 120 km, 6 Etappen)
Die letzten Etappen durchziehen den Salento, den oestlichsten Zipfel Italiens. Sie wandern zwischen monumentalen Olivenhainen (einige jahrtausendealt, von der Xylella verwuestet, aber noch teils lebendig), barocken Masserie und weissen Doerfern. Otranto mit seiner Kathedrale und dem aussergewoehnlichen Bodenmosaik sowie der Kapelle der Maertyrer ist ein unverzichtbarer Halt. Die Ankunft in Santa Maria di Leuca, wo das Ionische Meer unter Leuchtturm und Heiligtum auf die Adria trifft, ist ein symboltraechtiger Epilog: Das Land endet, und darueber hinaus ist nur das Meer gen Osten.
Praktische Hinweise
Schwierigkeit und Terrain
Der Weg ist als T/E (Touristisch-Wandern) eingestuft. Es gibt keine technischen Schwierigkeiten: Die Hoehenunterschiede sind gering (Apulien ist ueberwiegend flach oder huegelig), die Pfade leicht. Die Schwierigkeit liegt in der Gesamtlaenge und den klimatischen Bedingungen - die Hitze kann von Juni bis September wild sein, und Schatten ist ein seltenes Privileg.
Markierung und Orientierung
Die Markierung wurde in den letzten Jahren mit den gelben Punkten des Weges verbessert, bleibt aber in einigen Abschnitten unvollstaendig, besonders im Tavoliere. Der aktualisierte GPX-Track ist unverzichtbar. Die Etappen laden Sie ueber die den Wegen gewidmete Website der Region Apulien herunter.
Wann aufbrechen
- Maerz-Mai: ideale Zeit. Milde Temperaturen, bluehendes Apulien, lange Tage.
- Oktober-November: ausgezeichnet, das Licht des Salento im Herbst ist unvergesslich.
- Sommer: dringend abzuraten. Temperaturen ueber 35-40 Grad, kein Schutz.
- Winter: moeglich, aber mit kurzen Tagen und oft geschlossenen Unterkuenften.
Ausruestung
- Leichte Trekkingschuhe (der Untergrund ist einfach, aber die Strecken sind lang)
- Breitrandiger Hut und Sonnencreme SPF 50 (nicht verhandelbar)
- Mindestens 3 Liter Wasser auf den Etappen im Tavoliere
- Polarisierte Sonnenbrille (die Reflexion ist blendend)
- Leichtes Regencape fuer die Fruehlingsgewitter
- Powerbank (wenige Steckdosen auf dem Land)
Unterkunft und Verpflegung
Die Gastfreundschaft ist vielfaeltig: von B&Bs in Altstadthaeusern (30-50 Euro) ueber didaktische Masserie (50-80 Euro) bis zu wenigen Pilgerherbergen. Die apulische Kueche ist aussergewoehnlich und erschwinglich: Focaccia, Orecchiette, Friselle mit Tomate und Oel, frischer Fisch an der Kueste. In den kleineren Doerfern rechtzeitig reservieren, wo die Optionen begrenzt sind.
Ein Weg, auf den der Sueden gewartet hat
Die Via Francigena del Sud ist nicht nur eine Wegstrecke: Sie ist ein Akt der Wiederentdeckung eines Italiens, das existiert, aber selten erzaehlt wird. Die mittelalterlichen Pilger durchquerten diese Laender auf dem Weg nach Jerusalem und errichteten unterwegs Kathedralen, gruendeten Hospitaeler, schufen Netze der Solidaritaet. Heute hier zu wandern bedeutet, jenen Faden aufzunehmen, die Langsamkeit als Form der Erkenntnis wiederzufinden und zu entdecken, dass Sueditalien noch sehr viel zu sagen hat - denen, die die Geduld haben, ihm Schritt fuer Schritt zuzuhoeren.
Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Via Francigena del Sud?
Il periodo consigliato è März, April, Mai, Oktober e November, quando è meno affollata.
Via Francigena del Sud è affollata?
Via Francigena del Sud è una meta quasi deserta rispetto alle destinazioni più turistiche.
Dove si trova Via Francigena del Sud?
Via Francigena del Sud si trova in Apulien und Basilikata.