Nachhaltige Ferien: Was das wirklich bedeutet und wie man sie plant
Nachhaltige Ferien planen: konkreter Leitfaden zu Verkehrsmitteln, Unterkünften, Reisezeiten und Verhalten – mit belastbaren Zahlen und Reisezielen, an denen sich das umsetzen lässt.
Foto: August Brill (CC BY 4.0) — Flickr
Nachhaltige Ferien zu planen heißt nicht, aufs Reisen zu verzichten: Es heißt, das Wo, das Wie und das Wann mit etwas mehr Bedacht zu wählen, damit die Reise dem Reiseziel mehr gibt, als sie ihm nimmt. Die maßgebliche Definition liefert UN Tourism (die frühere UNWTO, die UN-Agentur für Tourismus): ein Tourismus, der die gegenwärtigen und künftigen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Folgen umfassend berücksichtigt und den Bedürfnissen der Reisenden, der Umwelt und der gastgebenden Gemeinschaften gerecht wird. Drei Säulen also – nicht nur die ökologische.
Warum das zählt, zeigen zwei belegte Zahlen. Die in Nature Climate Change (2018) veröffentlichte Studie von Lenzen und Kollegen schätzt, dass der Tourismus rund 8 % der globalen Treibhausgasemissionen verursacht. Und der Bericht von UN Tourism und dem International Transport Forum, vorgestellt auf der COP25 in Madrid (2019), schreibt allein dem touristischen Verkehr rund 5 % der weltweiten menschengemachten CO2-Emissionen zu – ein Anteil, der mit den steigenden Reisezahlen weiter wachsen dürfte: UN Tourism rechnet bis 2030 mit 1,8 Milliarden internationalen Ankünften. Der mit Abstand größte Posten ist der Verkehr. Genau dort lohnt es sich anzusetzen.
Weniger fliegen
Wie also vorgehen? Erstens: das Flugzeug meiden, vor allem auf kurzen Strecken, auf denen der Zug in der realen Reisezeit (Zentrum zu Zentrum) konkurrenzfähig und pro Fahrgast deutlich emissionsärmer ist. Italien bietet sich dafür an. Man kann die Emilia-Romagna mit dem Zug entlang der Via Emilia durchqueren, die Langhe und das Monferrato ohne Auto zwischen Alba, Barolo und Canelli erkunden oder sich bis nach Ostsizilien zwischen Catania, Siracusa und dem Val di Noto vorwagen und den Wagen zu Hause lassen. Auch der tiefe Süden ist im Slow-Tempo erreichbar, wie eine Route à la Basilikata ohne Auto in drei Tagen zeigt. Auf längeren Strecken ersetzen die Nachtzüge, die in ganz Europa zurückkehren, Flug und Hotelnacht in einem Zug.
Die Reisezeit wählen
Zweitens: die Reisezeit wählen. Reisen auf die begehrtesten Monate und Orte zu bündeln, verschärft den Overtourism, jenen Druck, der Dienstleistungen, Preise und Einheimische aufreibt. In die Nebensaison auszuweichen entlastet alles: Der Leitfaden dazu, warum sich die Nebensaison lohnt, erklärt, wie Reisende wie Reiseziele davon profitieren. Und die Präsenz auf weniger überlaufene Ziele zu verteilen ist das Herzstück der sieben Regeln gegen den Overtourism: kein Verzicht, oft sogar das bessere Erlebnis.
Das Reiseziel wählen
Drittens: das Reiseziel wählen. Nachhaltigkeit gedeiht nicht nur in Städten; sie führt viel über die Natur – sofern man sie mit Respekt betritt. Schutzgebiete und gut geführte Parks vertragen Besucher, wenn man auf den Wegen bleibt, nichts pflückt und jeden Abfall wieder mitnimmt. In diese Richtung gehen Wanderungen wie der Anello dei tre laghi und die Gole del Lavì im Valsesia oder die Spaziergänge zwischen den Hirschen im Bosco della Mesola, dem letzten Wald des Po-Deltas. Jenseits der Grenzen bieten das balkanische Hochgebirge des Durmitor in Montenegro und die Vikos-Schlucht in Griechenland starke Natur ohne das Gedränge der ikonischen Parks. Auch Seen können Druck mindern: Statt der meistbesuchten lohnen die romantischen und stillen Seen Norditaliens, die stille Ecke des Eremo di Santa Caterina del Sasso am Lago Maggiore oder die weniger bekannten Dörfer am Meer und an den Seen Italiens.
Vor Ort ausgeben
Viertens: wie man ausgibt, sobald man angekommen ist. Hier wird die wirtschaftliche Säule konkret. In familiengeführten Häusern übernachten, lokale Produkte essen, beim Kunsthandwerk kaufen: Das Geld bleibt in der Gemeinschaft, statt an externe Ketten abzufließen. Ein Ort wie Gavoi, das langsame Herz der Barbagia zwischen Käse und See zeigt, was das bedeutet: Man reist ins Gebiet, und das Gebiet gewinnt dabei. Für Unterkünfte gibt es unabhängige, vom Global Sustainable Tourism Council (GSTC) anerkannte Zertifikate, die helfen, sich nicht bloß auf das Wort „green" auf der Startseite zu verlassen.
Zusammengefasst: Nachhaltige Ferien plant man, indem man an vier Hebeln in dieser Wirkungsreihenfolge ansetzt – Verkehr (weniger Flug, mehr Zug), Zeit (Spitzen meiden), Ort (Ziele, die Besucher vertragen) und Ausgaben (lokale Wirtschaft). Keiner verlangt Verzicht auf die Reise. Sie verlangen nur, sie besser zu wählen.
Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Nachhaltige Ferien?
Il periodo consigliato è April, Mai, Juni, September e Oktober, quando è meno affollata.
Dove si trova Nachhaltige Ferien?
Nachhaltige Ferien si trova in Italien.