Tiscali und das Lanaittu-Tal im Supramonte
Im sardischen Supramonte, zwischen Oliena und Dorgali, verbirgt sich ein nuraghisches Dorf in einer Kalksteindoline, die nur zu Fuß erreichbar ist. Das Lanaittu-Tal ist ein Canyon, den außerhalb der Badesaison kaum jemand besucht.
Foto: Roberto Mura (CC BY-SA 4.0) — Wikimedia Commons
Sardinien im Sommer bedeutet Meer, Strände und Menschenmassen. Doch sein kalkiges Inneres, der Supramonte zwischen Oliena und Dorgali, ist ein anderer Planet: weißer Fels, jahrhundertealte Steineichen, tiefe Schluchten und eine fast absolute Stille. Inmitten dieser rauen Landschaft verbirgt sich einer der eindrucksvollsten Orte der Insel: das nuraghische Dorf Tiscali, erbaut in einer großen Doline, also einem natürlichen Einsturzkrater, der durch den Zusammenbruch eines Höhlengewölbes entstanden ist. Jahrtausendelang blieb es von außen unsichtbar, und noch heute erreicht man es nur zu Fuß, nach einer Wanderung, die bereits an sich ein Erlebnis ist.
Der Weg
Der meistgenutzte Ausgangspunkt ist das Lanaittu-Tal, ein weites Karsttal, das sich im Herzen des Supramonte öffnet, gesprenkelt mit Höhlen, Quellen und alten Schafställen. Auf einer Schotterstraße gelangt man ins Tal, dann lässt man die Autos zurück und beginnt den Aufstieg. Der Pfad führt den Hang hinauf, der zur Doline von Tiscali leitet, in einer Abfolge von Felsstufen, Passagen zwischen Steineichen und Stellen, an denen man auch die Hände zu Hilfe nehmen muss. Sobald man die Öffnung im Berg erreicht hat, steigt man in die Doline hinab und steht plötzlich vor den Überresten der nuraghischen Hütten, die an die Felswände geschmiegt unter dem eingestürzten Gewölbe liegen: ein Ort, der den Atem raubt, außerhalb der Zeit. Das Lanaittu-Tal ringsum birgt auch weitere Schätze, wie Höhlen und Karstquellen, die zu den bedeutendsten der Insel gehören, und verdient es, in Ruhe erkundet zu werden.
Der Anspruch
Die Wanderung ist in Kilometern nicht besonders lang, aber anspruchsvoller, als sie scheint. Der Untergrund besteht aus Kalkfels, oft rutschig und unregelmäßig, mit steilen Abschnitten und Stellen, an denen man beim Aufsetzen der Füße Vorsicht walten lassen muss. Es ist kein Spaziergang: Man braucht Trekkingschuhe mit guter Sohle, sichere Beine und Umsicht, vor allem beim Abstieg. Der Höhenunterschied bis zur Doline ist überschaubar, aber konzentriert, und unter der Sommersonne wird die Anstrengung deutlich größer. Die Beschilderung im Supramonte ist spärlich und die Umgebung wild: Es ist leicht, den Weg zu verlieren. Deshalb ist es, gerade für Ortsunkundige, die klügste Wahl, sich einem einheimischen Guide anzuvertrauen, ganz abgesehen davon, dass man so Geschichten und Details entdeckt, die einem sonst entgehen würden. Alternativ sind GPS-Track und detaillierte Karte unverzichtbar.
Wann fahren
Die besten Monate sind April, Mai und Oktober. In diesen Zeiten sind die Temperaturen mild und der Supramonte ist noch nicht oder nicht mehr der Backofen, zu dem er im Sommer wird, wenn die Hitze auf dem weißen Fels das Gehen wirklich hart macht. Der Frühling schenkt zudem Düfte der blühenden Macchia, während der Herbst goldenes Licht und klare Luft bietet. Es sind vor allem die Monate, in denen die Touristen woanders sind: Wer im Hochsommer nach Sardinien kommt, geht ans Meer, und hier im Landesinneren wandert man in Frieden. Außerhalb der Badesaison werden das Lanaittu-Tal und Tiscali wieder das, was sie sind: ein geheimer Winkel, den nur wenige Liebhaber aufsuchen.
Natur und Geschichte
Tiscali zu Fuß zu erreichen ist weit mehr als der Besuch einer archäologischen Stätte: Es bedeutet zu begreifen, wie die alten Sarden das Gebirge als Zuflucht und Verteidigung gewählt und ihr Leben in den Falten des Felsens versteckt haben. Der Reiz des Ortes liegt genau in diesem Ineinandergreifen von Natur und Geschichte, im Kontrast zwischen der Härte des Supramonte und der Fragilität der Hütten, die sich darin verbergen. Durch das Lanaittu-Tal zwischen Höhlen und Quellen zu wandern, bedeutet einzutauchen in eine der bedeutendsten Karstlandschaften des Mittelmeers, eine Welt, deren Existenz die meisten Besucher der Insel nicht einmal ahnen.
Ein praktischer Tipp: Nehmt das gesamte benötigte Wasser mit, denn auf der Strecke gibt es keine Möglichkeit zum Auffüllen, und die Hitze des Felsens dehydriert schnell. Brecht früh am Morgen auf, auch in der Zwischensaison, um im besten Licht zu wandern und die heißesten Stunden zu meiden. Prüft vorher die Zufahrtsbedingungen zum Lanaittu-Tal, denn die Schotterstraße und die Zugangsmodalitäten zur Stätte können variieren. Und bewegt euch mit Respekt: Der Supramonte ist eine fragile und im Gedächtnis der Insel heilige Umgebung, die auf Zehenspitzen zu durchqueren ist.
Praktische Reiseführer für Todi
Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Tiscali und das Lanaittu-Tal im Supramonte?
Il periodo consigliato è April, Mai e Oktober, quando è meno affollata.
Dove si trova Tiscali und das Lanaittu-Tal im Supramonte?
Tiscali und das Lanaittu-Tal im Supramonte si trova in Supramonte von Oliena-Dorgali, Sardinien.