Bobbio: die Teufelsbruecke und die Abtei, die die europaeische Kultur rettete
Bobbio bezaubert mit der Ponte Gobbo und ihren unregelmaessigen Boegen, der Abtei San Colombano und den authentischen Aromen des Trebbiatals.
Foto: Davide Papalini (CC BY-SA 4.0) — Wikimedia Commons
Wo das Trebbiatal zur Legende wird
Hemingway nannte es das schoenste Tal der Welt. Das Trebbiatal, eingeschlossen zwischen den Bergen des ligurisch-emilianischen Apennins, ist ein Korridor aus Gruen und Wasser, der einen der faszinierendsten Orte Norditaliens birgt: Bobbio. Am linken Ufer des Flusses gelegen, umgeben von Huegeln, die sich im Herbst rot und golden entzuenden, ist dieses Dorf in der Provinz Piacenza eine Verdichtung von Geschichte, Kunst und Gastronomie, die es verdient haette, so bekannt zu sein wie die gefeiertsten Kunststaedte der Emilia.
Das erste Bild von Bobbio ist jenes, das sich fuer immer einpraegt: die Ponte Gobbo mit ihren elf unregelmaessigen Boegen, die den Trebbia ueberspannen wie der Ruecken eines schlafenden Drachens. Es ist eines der ikonischsten Bilder der Emilia, und doch haben es die meisten Italiener nie live gesehen. Ein Paradox, das sich fuer den neugierigen Reisenden in ein Privileg verwandelt: sich an so viel Schoenheit fast in Einsamkeit erfreuen zu koennen.
Die Ponte Gobbo: elf Boegen und eine Legende
Die alte Bruecke von Bobbio, wegen ihres welligen Profils in Ponte Gobbo (Buckelbruecke) umgetauft, ist ein ingenieurtechnisches Werk, das der Logik trotzt. Ihre elf Boegen sind alle unterschiedlich in Form und Groesse, und die Gehflaeche steigt und faellt wie eine versteinerte Welle. Die Legende erzaehlt, es sei der Teufel gewesen, der sie in einer einzigen Nacht als Wette mit San Colombano baute: Jeder Bogen wurde von einem anderen Daemon errichtet, und keiner konnte sich mit den anderen ueber die Form einigen, was jenes asymmetrische Profil hervorbrachte, das ihre unverwechselbare Signatur ist.
Die Wirklichkeit ist vielleicht noch faszinierender: Die Bruecke geht wahrscheinlich auf die roemische Zeit zurueck, auch wenn die heutige Struktur mittelalterlich ist, und die Unregelmaessigkeiten sind den staendigen Wiederaufbauten nach den Hochwassern des Trebbia geschuldet. Sie beim Sonnenuntergang zu ueberqueren, waehrend der Fluss unter den Boegen glitzert und die Huegel sich rosa faerben, ist ein Erlebnis, das die Reise fuer sich lohnt.
Die Abtei San Colombano: wo Europa entstand
Wenn die Ponte Gobbo das Gesicht Bobbios ist, so ist die Abtei San Colombano seine Seele. Im Jahr 614 vom irischen Moench Colombano gegruendet, der halb Europa durchquert hatte, um den Langobarden das Evangelium zu bringen, wurde die Abtei in wenigen Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten Kulturzentren des Kontinents. Ihr Skriptorium schuf illuminierte Kodizes, die sich heute in den groessten Bibliotheken der Welt befinden, von Mailand bis Turin, vom Vatikan bis Wien.
Die im Lauf der Jahrhunderte umgestaltete Basilika bewahrt Bodenmosaike des 12. Jahrhunderts, die zu den schoensten Norditaliens zaehlen, mit Fantasietieren und geometrischen Mustern orientalischen Einflusses. Die Krypta beherbergt den Sarkophag des heiligen Colombano, seit dem Mittelalter Pilgerziel. Das Museum der Abtei erzaehlt anhand von Fundstuecken, Dokumenten und Rekonstruktionen das aussergewoehnliche kulturelle Abenteuer der colombanischen Moenche, die hier klassische Texte kopierten und bewahrten, die sonst fuer immer verloren gegangen waeren.
Das mittelalterliche Dorf
Der historische Ortskern von Bobbio entwickelt sich um die Abtei mit einem Netz enger, arkadengesaeumter Gassen, die die mittelalterliche Anlage bewahren. Der Dom Santa Maria Assunta mit seiner romanischen Fassade beherrscht den Hauptplatz. Das Schloss Malaspina-Dal Verme auf dem Huegel oberhalb des Ortes bietet einen Panoramablick auf das Tal und beherbergt in den Sommermonaten Kulturveranstaltungen.
Durch die Gassen Bobbios zu wandern ist ein langsames Vergnuegen: Handwerkslaeden, versteckte Hoefe mit Steinbrunnen, Katzen, die auf den Schwellen schlummern. Das Umland, unmittelbar ausserhalb des Ortes, ist mit romanischen Pfarrkirchen und Steinhoefen gesprenkelt, wo der Wein der Colli Piacentini erzeugt wird.
Die Tafel von Bobbio
Die Kueche Bobbios ist die piacentinische Bergkueche, kraeftig und grosszuegig. Das Symbolgericht sind die Maccheroni alla bobbiese: hauchduenn ausgerollte Teigquadrate, in Bruehe gegart und mit Ragout aus geschmortem Rind gewuerzt, ein Gericht, das stundenlange Zubereitung erfordert und heute nur noch in den authentischsten Trattorien zu finden ist.
Die Pisarei e faso, kleine Gnocchi aus Brot und Mehl mit Bohnensugo, sind der andere grosse Klassiker. Die Tortelli con la coda, gefuellt mit Ricotta und Spinat, mit einem gedrehten Teigzipfel, sind die Festtagsspezialitaet. Alles begleitet von den Weinen der Colli Piacentini: roter Gutturnio, weisser Ortrugo, aromatischer Malvasia.
- Maccheroni alla bobbiese - duenner Teig mit Schmorbraten-Ragout, das ikonische Gericht
- Pisarei e faso - kleine Gnocchi mit Borlotti-Bohnen, Comfort Food aus Piacenza
- Tortelli con la coda - gefuellter Teig mit Ricotta und Kraeutern
- Gutturnio und Ortrugo - der Rot- und der Weisswein der Colli Piacentini
Anreise und beste Zeit
Bobbio ist mit dem Auto von Piacenza ueber die SS45 des Trebbiatals erreichbar, rund 45 Kilometer Panoramastrasse, die dem Flusslauf folgt. Von Genua ist die Distanz aehnlich, ueber den Passo di Barberino. Es gibt keine Bahnverbindung: Der naechste Bahnhof ist Piacenza, von wo aus SETA-Busse verkehren (rund eine Stunde und ein Viertel Fahrt).
Die besten Monate sind April-Juni und September-Oktober. Im Fruehling fuehrt der Trebbia maximales Wasser, und die Huegel sind ein Triumph des Gruens. Der Herbst schenkt Herbstlaub und Weinlese, mit den Kellern, die zu Verkostungen oeffnen. Im Sommer wird der Fluss badbar, mit Kieselstraenden, an denen die Einheimischen baden und in der Sonne liegen - ein gut gehuetetes Geheimnis, das einen Abstecher wert ist.
Von Bobbio aus starten zahlreiche Wanderpfade in die umliegenden Berge, einschliesslich des Colombano-Wegs, der die Etappen der Reise des irischen Moenches nachvollzieht. Fuer Radfahrer bietet der Radweg des Trebbiatals eine sanfte Strecke entlang des Flusses, ideal fuer Familien.
Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Bobbio?
Il periodo consigliato è April, Mai, Juni, September e Oktober, quando è meno affollata.
Bobbio è affollata?
Bobbio è una meta molto tranquilla rispetto alle destinazioni più turistiche.
Dove si trova Bobbio?
Bobbio si trova in Bobbio, Emilia-Romagna, Italien.