San Leo: die Festung des Montefeltro, in der Cagliostro gefangen war
San Leo beherrscht das Montefeltro mit seiner uneinnehmbaren Festung, der vorromanischen Pieve und einem atemberaubenden Panorama über die Hügel der Romagna.
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Ein Felsblock zwischen Geschichte und Legende
San Leo taucht unvermittelt auf, wie eine mittelalterliche Fata Morgana. Auf einem senkrecht aus dem Marecchia-Tal aufragenden Kalkfelsen thronend, trotzt dieses Dorf des Montefeltro der Schwerkraft und der Zeit mit derselben Hartnäckigkeit. Dante erwähnte es im Purgatorio, die Römer nannten es Mons Feretrius, und über Jahrhunderte galt es als die uneinnehmbarste Festung Italiens. Und doch bleibt San Leo, während die Touristenströme das nahe San Marino überschwemmen, ein Geheimnis, das sich Geschichtsliebhaber und besonders neugierige Reisende zuflüstern.
Die Straße hinauf zum Ort ist bereits ein Erlebnis für sich: eine einzige, in den Fels gehauene Trasse, deren Serpentinen bei jeder Kehre immer schwindelerregendere Ausblicke freigeben. Oben angekommen, verschlägt einem das Panorama den Atem: Die Hügel des Montefeltro erstrecken sich auf der einen Seite bis zur Adria, auf der anderen bis zu den Apenninen, in einem Mosaik aus Feldern, Wäldern und Ortschaften, das einem Gemälde des Quattrocento entsprungen scheint.
Die Festung und das Rätsel Cagliostros
Die Festung von San Leo ist das schlagende Herz des Ortes, ein Meisterwerk der Militärarchitektur, das die Landschaft vom Gipfel des Felsens aus beherrscht. Im 15. Jahrhundert von Francesco di Giorgio Martini für die Montefeltro umgebaut, folgt ihre Form exakt dem Profil des Felsens, auf dem sie errichtet ist, was jede Belagerung zwecklos macht. Die mächtigen Mauern, die Ecktürme und die Wehrgänge sind eine lebendige Lektion in renaissance-zeitlicher Kriegsingenieurskunst.
Doch was die Festung unvergesslich macht, ist die Zelle, in der der Graf von Cagliostro eingesperrt war. Giuseppe Balsamo, Abenteurer, Alchemist und Freimaurer, wurde 1791 auf Befehl des Sanctum Officium hierher gebracht. Seine Zelle, in einen Schacht im Fels gehauen, mit einer einzigen Öffnung nach oben, ist ein Ort, der einem Schauder über den Rücken jagt: 1795 starb er hier nach vier Jahren völliger Isolation. Heute ist die Zelle zu besichtigen, und die klaustrophobische Atmosphäre erzählt mehr als jedes Buch von der Härte dieser Gefangenschaft.
Der Dom und die Pieve
Unterhalb der Festung offenbart der Ort weitere Schätze. Der dem heiligen Leo geweihte Dom stammt aus dem 12. Jahrhundert und bewahrt mit seiner Sandsteinfassade und dem dreischiffigen Inneren eine strenge romanische Schönheit. Doch das eigentliche Kleinod liegt etwas tiefer: Die auf das 9. Jahrhundert datierte Pieve zählt zu den ältesten Sakralbauten des Montefeltro, mit ihren wiederverwendeten römischen Säulen und einer Atmosphäre, die nach urchristlicher Frühzeit duftet.
Die Piazza Dante Alighieri ist der Salon des Ortes, ein harmonisches Rechteck, das vom Palazzo della Residenza und dem Uhrturm überragt wird. Hier fließt das Leben in der richtigen Langsamkeit: ein Espresso am Tischchen, die Zeitung, das Schwatzen der Einheimischen, die einander alle mit Namen kennen. Der Palazzo der Grafen von Cagliostro beherbergt heute ein dem Abenteurer gewidmetes Museum mit Originaldokumenten und Rekonstruktionen des Prozesses.
Die Aromen des Montefeltro
Die Küche von San Leo ist die des romagnolischen Hinterlandes: kräftig und ohne Schnörkel. Die Piadina wird hier dicker und rustikaler als an der Küste gebacken, gefüllt mit Squacquerone und wildem Rucola oder mit dem Prosciutto di Carpegna DOP aus den nahen Bergen. Passatelli in Brühe sind der traditionelle Primo, unregelmäßige Fäden aus Brot, Parmesan und Ei, die in einer Kapaunbrühe zergehen.
König auf dem Tisch aber ist der Formaggio di Fossa, der drei Monate lang in den Tuffsteingruben des nahegelegenen Talamello reift. Jeden August werden die Laibe in die mit Stroh ausgekleideten Gruben hinabgelassen, und im November wird das Herausholen zum Gemeinschaftsfest. Das Ergebnis ist ein Käse von intensivem, leicht scharfem Geschmack, perfekt zu einem Faden Kastanienhonig.
- Passatelli in Brühe — der symbolische Primo des romagnolischen Hinterlandes
- Piadina mit Squacquerone und Rucola — der perfekte Imbiss nach dem Festungsbesuch
- Formaggio di Fossa aus Talamello — gereift in den alten Tuffsteingruben
- Kaninchen in Porchetta-Art — Spezialität der Hügel mit wildem Fenchel
Anreise und beste Reisezeit
San Leo liegt rund 30 Kilometer von Rimini entfernt. Mit dem Auto folgt man der Marecchiese (SS258) bis Pietracuta und fährt dann den Ausschilderungen folgend hinauf. Eine direkte Bahnverbindung gibt es nicht: Der nächstgelegene Bahnhof ist Rimini, von wo ein Bus der Linie Start Romagna verkehrt (etwa 50 Minuten). Der Parkplatz liegt am Fuß des Ortes, von dem aus man in wenigen Minuten hinaufsteigt.
Die besten Monate für einen Besuch sind Frühjahr und Herbst. Von April bis Juni sind die Hügel ein grüner, blumenübersäter Teppich, das Klima ist mild und die Wanderwege des Montefeltro laden zum Gehen ein. September und Oktober schenken Herbstfärbung und die Zeit des Sfossatura, mit Veranstaltungen und Verkostungen. Der Sommer kann heiß werden, doch die Abende sind kühl und der Ort veranstaltet Konzerte und Aufführungen unter Sternen im Rahmen der Festung.
Nicht verpassen sollte man in der Umgebung: das Dorf Pennabilli mit den Orten Tonino Guerras, das Heiligtum Madonna di Saiano im Gleichgewicht auf dem Felsen und die Grotten von Onferno, ein Karstsystem, bevölkert von Tausenden Fledermäusen. San Leo ist außerdem eine ideale Etappe auf dem Franziskusweg von Rimini nach La Verna.
Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare San Leo?
Il periodo consigliato è April, Mai, Juni, September e Oktober, quando è meno affollata.
San Leo è affollata?
San Leo è una meta molto tranquilla rispetto alle destinazioni più turistiche.
Dove si trova San Leo?
San Leo si trova in San Leo, Emilia-Romagna, Italien.