Sauris: das von der Zeit vergessene Walserdorf
Auf über tausend Metern in den Karnischen Alpen thronend, ist Sauris ein deutschsprachiges Dorf, in dem der seltenste Schinken Italiens geräuchert wird. Ein Ort, an dem das alpine Mittelalter unversehrt fortlebt.
Foto: Petar Milošević (CC BY-SA 4.0) — Wikimedia Commons
Um Sauris zu erreichen, muss man es wirklich wollen. Die Straße, die aus dem Lumiei-Tal hinaufführt, ist eine Abfolge enger, in den Fels geschlagener Serpentinen mit dunklen Tunneln und abgründigen Abschnitten über dem Stausee, der den Talgrund mit seinen irreal grünen Wassern füllt. Es gibt keinen anderen Weg dorthin, und vielleicht ist es genau diese Isolation, die eines der außergewöhnlichsten Dörfer der italienischen Alpen bewahrt hat.
Sauris - Zahre in der lokalen Sprache - ist eine Walsergemeinschaft, die im 13. Jahrhundert von deutschsprachigen Siedlern aus Kärnten gegründet wurde. Im Gegensatz zu den bekannteren Walsergemeinschaften im Aostatal oder im Piemont hat Sauris seine Sprache bis heute lebendig erhalten: Der Saurische, ein archaischer oberdeutscher Dialekt, den Linguisten wie ein lebendiges Fossil studieren, wird von den älteren Bewohnern noch täglich gesprochen. Durch die Gassen von Sauris di Sotto zu gehen und Menschen in einer Sprache zu hören, die wie mittelalterliches Deutsch klingt, ist ein Erlebnis, das in Italien seinesgleichen sucht.
Das Dorf gliedert sich in zwei Ortsteile: Sauris di Sotto (Unterdorf) und Sauris di Sopra (Oberdorf), verbunden durch eine wenige Kilometer lange Straße, die Wiesen und Tannenwälder durchquert. Die Häuser sind nach traditioneller Walserarchitektur gebaut: Steinsockel und obere Stockwerke aus zeitgeschwärztem Lärchenholz, mit Laubengängen, die zum Trocknen von Kräutern und Getreide dienten. Viele sind noch bewohnt und einige bewahren originale Einrichtungen und Werkzeuge aus dem 18. Jahrhundert.
Doch Sauris ist vor allem für seinen Schinken bekannt. Der Prosciutto di Sauris IGP ist der einzige italienische Rohschinken, der geräuchert wird, eine Tradition, die auf die germanischen Ursprünge der Gemeinschaft zurückgeht. Die Räucherung erfolgt mit Buchenholz in Räumen, wo Temperatur und Feuchtigkeit durch die Erfahrung von Generationen und nicht durch digitale Thermometer kontrolliert werden. Das Ergebnis ist ein Schinken von einzigartigem Geschmack: zart, aber mit einer rauchigen Note, die ihn von jeder anderen italienischen Wurstware unterscheidet. Die Schinkenmanufaktur Wolf ist die bekannteste und bietet Führungen auf Voranmeldung, doch das wahre Erlebnis ist, den Schinken in Messerschnitten im Dorfladen zu kaufen und ihn auf einer Holzbank vor der Kirche zu essen, begleitet vom Roggenbrot, das die Frauen des Dorfes noch im Gemeinschaftsofen backen.
Außer dem Schinken produziert Sauris das Bier Zahre, eine handwerkliche Mikrobrauerei, die das reinste Wasser der Alpenquellen und den Hopfen der umliegenden Wiesen verwendet. Das Helle und das Rote sind ausgezeichnet, doch das Rauchbier - eine Hommage an die lokale Tradition - lohnt die Reise. Man kann es direkt in der Brauerei verkosten oder in der Trattoria Alla Pace, dem Restaurant des Dorfes, das die karnische Küche intelligent neu interpretiert: Cjarsons (typische süß-salzige Ravioli der Karnia) mit zerlassener Butter und geräuchertem Ricotta, Wild mit Cinquantino-Mais-Polenta, Apfelstrudel mit Äpfeln aus dem eigenen Garten.
Für Wanderfreunde ist Sauris ein Paradies. Der Pfad, der auf den Monte Rucke (1.808 m) führt, bietet einen Rundblick auf die Karnischen Alpen und die Dolomiti Pesarine. Die Wanderung dauert etwa drei Stunden und führt durch Weiden, auf denen die Kühe noch die traditionellen Glocken tragen. Im Winter wird dasselbe Gebiet zu einem Langlaufskigebiet mit Loipen, die sich in absoluter Stille durch die Wälder schlängeln: keine Lifte, kein Après-Ski, keine Menge.
Im Winter hat Sauris einen besonderen Charme. Der Schnee bedeckt die Holzdächer der Walserhäuser, Rauch steigt aus den Kaminen, die Straßen sind menschenleer. Das Dorf feiert den Karneval mit einer einzigartigen Tradition: dem Voschank, einer beunruhigenden Maske aus Ziegenfell und Glocken, die in der Nacht des Fettsamstags durch die Straßen des Dorfes zieht und die Wintergeister mit einem urzeitlichen Lärm vertreibt. Es ist ein heidnischer Ritus, der die Christianisierung überlebt hat, eine direkte Verbindung zu den vorrömischen Alpentraditionen, die nur an wenigen anderen Orten Europas so intensiv erhalten geblieben ist.
Sauris hat weder Luxushotels noch Sternerestaurants. Es hat familiäre Hotels, wo das Frühstück hausgemachten Speck und Almbutter einschließt, und Trattorien, in denen die Rechnung selten zwanzig Euro übersteigt. Es hat die Stille der Tannenwälder, den Duft geräucherten Holzes, die archaische Stimme einer Sprache, die im Sterben liegt. Es ist ein Ort, der der Gegenwart trotzt, nicht aus ideologischer Wahl, sondern aus reiner Geografie: zu hoch, zu abgelegen, zu weit von allem entfernt, um vom Massentourismus erreicht zu werden. Und in diesem unfreiwilligen Widerstand liegt seine ganze Schönheit.
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Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Sauris?
Il periodo consigliato è Juni, Juli, August, September, Dezember e Januar, quando è meno affollata.
Sauris è affollata?
Sauris è una meta quasi deserta rispetto alle destinazioni più turistiche.
Dove si trova Sauris?
Sauris si trova in Friaul-Julisch Venetien, Italien.