Este, wo die Kultur der alten Veneter auf die Burg der Carraresi trifft
Am Fuße der Euganeischen Hügel bewahrt Este ein Museum von seltener Bedeutung zur paläovenezianischen Kultur und eine imposante Carraresi-Burg zwischen Gärten und Geschichte.
Foto: puffin11uk (CC0) — Flickr
Eine Stadt, die Rom vorausgeht
Wenn vom antiken Venetien die Rede ist, wandert der Gedanke sofort zu Venezia. Doch die Geschichte dieser Region beginnt lange vor der Serenissima, und der Ort, an dem man sie mit Händen greifen kann, ist Este, ein Städtchen von sechzehntausend Einwohnern am Südfuß der Euganeischen Hügel. Hier blühte die Kultur der alten Veneter — der Paläoveneter —, eines Volkes, das zwischen dem 9. und 2. Jahrhundert vor Christus eine raffinierte Kultur entwickelte, aus Votivbronzen, figürlicher Keramik und einem eigenen Alphabet. Este ist nicht nur der Ort, an dem diese Funde ausgegraben wurden: Es ist das Zentrum, dem jene Kultur den Namen verdankt, denn der Begriff "Ateste" selbst hat den Sammelnamen "atestinisch" hervorgebracht, mit dem die Archäologen die gesamte Kultur bezeichnen.
Este von Padova aus zu erreichen erfordert weniger als vierzig Minuten mit dem Auto, und doch ist das Empfinden, in eine andere Welt einzutreten: eine Stadt auf menschlichem Maß, mit einem kompakten Altstadtkern, Bogengangplätzen und jenem langsamen Rhythmus der venezianischen Ebenenstädte, die auf die Eile verzichtet haben, ohne die Würde aufzugeben.
Das Museo Nazionale Atestino: Reise in die venetische Vorgeschichte
Das Museo Nazionale Atestino ist im Palazzo Mocenigo aus dem 16. Jahrhundert untergebracht, direkt am Fuße der Burg, und stellt eine der bedeutendsten archäologischen Sammlungen Norditaliens dar. Die Säle führen den Besucher durch Jahrtausende Geschichte: von der Vorgeschichte zur Bronzezeit, von der Blüte der paläovenezianischen Kultur bis zur Romanisierung.
Die berühmtesten Stücke sind die Situla Benvenuti — ein Bronzeeimer aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, verziert mit Bankett-, Prozessions- und Athletikszenen von überraschender Feinheit — und die Bronzevotivtafeln, die die Gläubigen der Göttin Reitia im örtlichen Heiligtum darbrachten. Diese Objekte erzählen von einer komplexen, kommerziell lebendigen und künstlerisch originellen Gesellschaft, die mit Etruskern, Griechen und transalpinen Völkern im Dialog stand.
Das Museum ist auch in den Sommermonaten wenig besucht: Man durchschreitet die Säle in Ruhe, ohne Gedränge, begleitet von einer nüchternen, aber wirkungsvollen Präsentation. Für Liebhaber der Archäologie ist es ein seltenes Erlebnis; für den, der sie nicht liebt, könnte es der Ort sein, der die Meinung ändert.
Die Carraresi-Burg und ihre Gärten
Die Burg der Carraresi überragt die Stadt mit ihren mächtigen Mauern und den Ecktürmen, die einen imposanten Umriss zeichnen. Im 14. Jahrhundert von der Familie da Carrara, den Herren von Padova, errichtet, hat die Burg im Laufe der Jahrhunderte Veränderungen erfahren, die ihr Aussehen umgestalteten, ohne ihre Majestät zu tilgen. Heute umschließt der Mauerring einen weitläufigen öffentlichen Garten — einen der schönsten Venetiens —, in dem die Atestiner zwischen baumgesäumten Alleen, Rosen und Wiesen im Schatten der mittelalterlichen Türme spazieren.
Der Anstieg auf dem Wehrgang entlang der Mauern eröffnet eine ungewöhnliche Perspektive auf die Stadt und die Euganeischen Hügel. Im Frühling ist der Garten eine Farbexplosion; im Herbst färben sich die Bäume rot und golden und schaffen einen suggestiven Kontrast zum grauen Stein der Mauern.
Der Dom, die Villen und die städtische Atmosphäre
Der Dom Santa Tecla, im 18. Jahrhundert nach einem Entwurf von Antonio Gaspari wiedererrichtet, bewahrt eine große Pala von Giambattista Tiepolo — Santa Tecla befreit Este von der Pest —, die allein einen Besuch rechtfertigt. Die für Tiepolo typische Leuchtkraft und die Dramatik der Szene beeindrucken auch den, der nicht Kunstgeschichte-Kenner ist.
Beim Spaziergang durch die Altstadt begegnet man Adelspalästen, Renaissance-Bogengängen und Winkeln, die die historische Schichtung der Stadt offenbaren. Die Villa Kunkler, gleich außerhalb des alten Kerns, ist ein Beispiel für einen im Grün gelegenen Wohnsitz des 19. Jahrhunderts, der vom bürgerlichen Wohlstand Estes in der habsburgischen Zeit zeugt. Der Viale delle Rimembranze, gesäumt von jahrhundertealten Platanen, führt vom Zentrum aufs Land und ist ideal für einen späten Nachmittagsspaziergang.
Am Tisch und in der Umgebung
Die atestinische Küche ist die der Euganeischen Hügel: bodenständig, mit Land und Jahreszeiten verbunden. Man isst Bigoli mit Entensugo, Polenta mit Soppressa und Hallimasch-Pilzen im Herbst, und man trinkt den Wein der Hügel — vom perlenden Serprino bis zum Cabernet der Hügel. Die Trattorien im Zentrum bieten faire Preise in einfachen, gastfreundlichen Ambienten.
Este ist zudem eine hervorragende Basis, um die Euganeischen Hügel zu erkunden: Arquà Petrarca, Monselice mit seiner Rocca, Montagnana mit seinen Mauern sind alle in weniger als einer halben Stunde erreichbar. Der Radweg der Euganeischen Hügel führt genau hier vorbei und bietet eine langsame und angenehme Art, das Gebiet zu entdecken.
Anreise und Reisezeit
Este erreicht man mit dem Zug von Padova auf der Linie nach Montagnana-Mantova (etwa 35 Minuten). Mit dem Auto ist die nächste Autobahnausfahrt Terme Euganee auf der A13. Die Stadt ist das ganze Jahr über zu besuchen: Frühling und Herbst sind ideal für das Klima und die Farben; der Winter ist ruhig und stimmungsvoll an Nebeltagen, die die Burg umhüllen; der Sommer ist heiß, aber die Burggärten bieten Schatten und Erfrischung.
Praktische Informationen
- Das Museo Nazionale Atestino ist täglich außer montags geöffnet; erschwinglicher Eintritt.
- Die Burggärten sind kostenlos zugänglich und von Morgengrauen bis Sonnenuntergang geöffnet.
- Wochenmarkt Samstagvormittag unter den Bogengängen des Zentrums.
- Fahrradverleih im Zentrum für Ausflüge in die Euganeischen Hügel.
Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Este?
Il periodo consigliato è März, April, Mai, Juni, September, Oktober e November, quando è meno affollata.
Este è affollata?
Este è una meta molto tranquilla rispetto alle destinazioni più turistiche.
Dove si trova Este?
Este si trova in Este, Venetien, Italien.