Ustica: die schwarze Perle des Tyrrhenischen Meeres und Italiens erstes Meeresschutzgebiet
Reiseführer zu Ustica, der Vulkaninsel nördlich von Palermo: Italiens erstes Meeresschutzgebiet, Grotten, legendäre Tauchgänge und ein farbenfrohes Dorf.
Foto: Lewis Grant (CC BY-SA 3.0) — Wikimedia Commons
Ustica, der schwarze Vulkan im Blau des Tyrrhenischen Meeres
Siebenundsechzig Kilometer nördlich von Palermo taucht Ustica aus dem Meer auf wie ein Block dunklen Basalts, umgeben von kobaltfarbenem Wasser. Die Insel, Überrest eines alten Unterwasservulkans, war jahrhundertelang ein Ort der Verbannung, zu weit von der Küste entfernt, um den Massentourismus zu interessieren. Diese Randlage hat ihr ein außergewöhnliches Naturerbe beschert: 1986 wurde Ustica Sitz des ersten Meeresschutzgebiets Italiens, und ihre Meeresgründe zählen heute zu den bestuntersuchten und bewundertsten des Mittelmeers.
Es ist keine große Insel - man umrundet sie in ein paar Stunden - aber die Dichte dessen, was sie über und unter der Wasseroberfläche bietet, ist überraschend.
Anreise
Von Palermo starten Siremar-Fähren (ca. 2 Stunden 30) und Liberty-Lines-Tragflügelboote (ca. 1 Stunde 15). Im Sommer gibt es 2-3 Fahrten pro Tag; im Winter 1 pro Tag, wetterabhängig. Die Insel ist für Nicht-Ansässige autofrei: Man bewegt sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit den lokalen Minibussen fort. Buchen Sie die Fähre für die Sommerwochenenden rechtzeitig.
Das Dorf mit den bemalten Mauern
Der einzige bewohnte Ortskern klettert von der Cala Santa Maria - dem natürlichen, vor den Winden geschützten Hafen - zur Höhe der Falconiera hinauf. Die Häuser sind niedrig, ihre Außenmauern sind mit Wandmalereien geschmückt, die die Geschichte und die Legenden der Insel erzählen. Ein Spaziergang durch die Gassen ist wie ein Gang durch eine Freiluftgalerie.
Der zentrale Platz mit seinen Bars und Trattorien ist der abendliche Salon der Insel. Die Atmosphäre erinnert an ein sizilianisches Dorf der sechziger Jahre, ohne den touristischen Druck der Küstenorte.
Die Meeresgründe: das Paradies der Taucher
Ustica gilt weltweit als einer der besten Tauchplätze des Mittelmeers. Das Meeresschutzgebiet ist in drei Zonen (A, B, C) mit unterschiedlichen Schutzstufen unterteilt. Die Must-See-Spots:
- Grotta dei Gamberi - eine unterseeische Höhle, bewohnt von roten Garnelen und gelben Paramuricea-Korallen. Anspruchsvoller, aber unvergesslicher Tauchgang.
- Secca della Colombara - ein Unterwasserpinnakel im Norden der Insel mit riesigen Zackenbarschen, die an Taucher gewöhnt sind, und Barracudaschwärmen.
- Scoglio del Medico - senkrechte Wand mit roten Gorgonien, Langusten und Muränen. Einer der meistfotografierten Spots des Tyrrhenischen Meeres.
- Grotta Azzurra - auch beim Schnorcheln zugänglich, mit außergewöhnlichen Lichtspielen in den Mittagsstunden.
Die Tauchbasen sind zahlreich und gut ausgestattet: Sie bieten Tauchgänge für alle Niveaus, von der Schnuppertaufe bis zu technischen Ausflügen. Schnorcheln von der Küste aus ist bereits hervorragend: Zone B des Schutzgebiets ist frei zugänglich und die felsigen Gründe wimmeln vor Leben.
Der Unterwasser-Archäologiepfad
Ustica rühmt sich einer in Italien einzigartigen Erfahrung: ein ausgeschilderter Unterwasser-Archäologiepfad, den man beim Schnorcheln erkunden kann. Entlang der Küste von Punta Gavazzi zeigen am Meeresgrund verankerte wasserdichte Tafeln die Überreste einer prähistorischen Siedlung und römischer Anker. Das Wasser ist 3-5 Meter tief: Eine Taucherbrille genügt, um ihn zu erkunden.
Die Landwege
Die Insel verfügt über ein Wegenetz, das den gesamten Küstenverlauf abdeckt und in die Höhen führt:
- Torre di Santa Maria und Rocca della Falconiera - leicht, 30 Minuten. Reste einer prähistorischen Bronzezeitsiedlung und 360-Grad-Panoramablick.
- Vollständiger Küstenweg - mittelschwer, etwa 3 Stunden. Führt vorbei an Felsklippen, Faraglioni, natürlichen Pools und bourbonischen Wachtürmen.
- Punta Spalmatore - die Zone mit den in den Lavafels gegrabenen natürlichen Pools. Ideal zum Baden mit Kindern.
Was essen
Die Küche von Ustica ist sizilianische Meeresküche mit besonderen Einflüssen:
- Lenticchia di Ustica - Slow-Food-Presidio, klein und aromatisch, angebaut auf vulkanischen Terrassen
- Krake nach Ustica-Art - gekocht und mit Öl, Zitrone und Petersilie angemacht
- Pasta mit Sardinen und wildem Fenchel
- Insel-Caponata mit lokalen Kapern
Die Restaurants sind einfach und ehrlich. Der Fisch stammt von den lokalen Booten, ohne viel Schnickschnack serviert.
Unterkunft
Hotels, B&Bs, Ferienwohnungen und ein Hostel. Das Angebot ist ausreichend, aber im August schnell ausgebucht. Im Juni und September findet man gute Verfügbarkeit zu vernünftigen Preisen.
Wann besuchen
Die besten Monate sind Mai, Juni, September und Oktober. Im Sommer beherbergt die Insel die Internationale Unterwasseraktivitäten-Rassegna (Ende Juni-Anfang Juli), die Enthusiasten aus aller Welt anzieht. Der April ist zum Trekking bereits angenehm, auch wenn das Wasser noch frisch zum Tauchen ist.
Empfohlene Ausrüstung
- Maske, Schnorchel und Felsenschuhe (auf Lava unerlässlich)
- Wanderschuhe für die Küstenwege
- Biologisch abbaubare Sonnencreme (wir sind in einem Meeresschutzgebiet)
- Taschenlampe für Abendspaziergänge (die Straßenbeleuchtung ist minimal)
- Windjacke für die Überfahrt mit dem Tragflügelboot
Das nächtliche Leben des Meeres
Auf Ustica ist die Nacht nicht der Moment, in dem das Meer zur Ruhe kommt - sondern der Moment, in dem es sich verwandelt. Die Tauchbasen organisieren Nachttauchgänge, die eine andere Welt offenbaren: Langusten, die aus ihren Höhlen kommen, jagende Kraken, die fluoreszierenden Farben der Nacktkiemer im Taschenlampenlicht. Vom Hafenkai aus sieht man mit einer einfachen ins Wasser gerichteten Taschenlampe Kalmare und Meerbrassen vorbeiziehen, angezogen vom Licht.
Wer an Land bleibt, erlebt beim nächtlichen Spaziergang auf dem mondbeschienenen Küstenweg eine Versöhnung mit der Stille. Das Fehlen von Lichtverschmutzung verwandelt den Himmel in ein natürliches Planetarium: In klaren Augustnächten, während der Perseiden, zählt man Dutzende Sternschnuppen von der Terrasse der Falconiera, mit dem Meeresrauschen als einziger Kulisse.
Ustica ist der Beweis, dass Meeresschutz funktioniert. Vierzig Jahre Meeresschutzgebiet haben diese Insel in ein Biodiversitätslabor verwandelt, wo Riesen-Zackenbarsche sich Schnorchlern furchtlos nähern. Für alle, die das Meer in seiner lebendigsten und unberührtesten Form lieben, hat Ustica in Italien keine Konkurrenz.
Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Ustica?
Il periodo consigliato è Mai, Juni, September e Oktober, quando è meno affollata.
Ustica è affollata?
Ustica è una meta molto tranquilla rispetto alle destinazioni più turistiche.
Dove si trova Ustica?
Ustica si trova in Ustica, Sizilien.