Poggioreale, Sizilien

Poggioreale vecchia: das Belice-Dorf, das das Erdbeben von 1968 anhielt

Poggioreale vecchia auf Sizilien, das Geisterdorf des Belice-Erdbebens. Ein Besuch der Ruinen, des Cretto di Burri und der Umgebung.

Foto di Poggioreale, Sizilien — Poggioreale vecchia: das Belice-Dorf, das das Erdbeben von 1968 anhielt

Foto: Leop81 at Italian Wikipedia (Public domain) — Wikimedia Commons

Jene Nacht des 15. Januar 1968

Um 2:34 Uhr am 15. Januar 1968 bebte die Erde im Belice-Tal in Westsizilien. Ein Erdbeben der Stärke 6,1 verwüstete ein weites Gebiet, tötete über 300 Menschen und zerstörte ganze Ortschaften. Poggioreale gehörte zu den am schwersten getroffenen Gemeinden. In wenigen Sekunden verwandelte sich ein Dorf mit dreitausend Seelen in einen Trümmerhaufen. Die überlebenden Bewohner wurden in provisorische Barackensiedlungen umgesiedelt, die sich als alles andere als provisorisch erwiesen: Das neue Poggioreale wurde erst in den achtziger Jahren fertiggestellt, zwanzig Kilometer entfernt.

Der alte Ort wurde belassen, wo er war, als unfreiwilliges Denkmal der menschlichen Zerbrechlichkeit. Heute zählt er zu den ausgedehntesten und eindrucksvollsten Geisterdörfern Italiens: eine ganze Ortschaft mit Straßen, Plätzen, Kirchen und Palästen, alles leer, alles in Trümmern, alles in eine bleierne Stille gehüllt.

Ein Gang durch die Ruinen

Poggioreale vecchia ist frei zugänglich. Der Ort ist weitläufig — er war ein echtes städtisches Zentrum — und ein vollständiger Besuch erfordert mindestens zwei Stunden. Man geht durch einst belebte Straßen, vorbei an Fassaden vornehmer Paläste mit schmiedeeisernen Balkonen, kunstvoll gemeißelten Steinportalen und Kirchen, deren Glockentürme zwar noch stehen, deren Inneres aber leer ist.

Was man sehen kann

- Der Hauptcorso: die zentrale Straße des Ortes, gesäumt von Adelspalästen. Die Architektur offenbart einen unerwarteten Reichtum für ein Dorf im sizilianischen Landesinneren

- Chiesa Madre: die Hauptkirche, deren barocke Fassade teilweise eingestürzt, aber in ihrer Eleganz noch lesbar ist

- Gemeindetheater: die Überreste des kleinen Theaters, Zeugnis eines kulturellen Lebens, das man hier nicht erwarten würde

- Palazzo Pignatelli: Adelsresidenz mit monumentalem Portal und Spuren innerer Dekorationen

- Die Seitengassen: die Gassen des Volksviertels, mit den bescheideneren Häusern und den noch erkennbaren Innenhöfen

Der Cretto di Burri: Kunst auf der Zerstörung

Wenige Kilometer von Poggioreale entfernt wurde das benachbarte Gibellina vecchia in eines der größten Land-Art-Werke der Welt verwandelt. Der Künstler Alberto Burri überzog die Ruinen von Gibellina mit einer weißen Betonschicht, die dem Verlauf der ursprünglichen Straßen folgt, und schuf so ein Labyrinth aus schneeweißen, anderthalb Meter hohen Blöcken. Der Grande Cretto, posthum 2015 fertiggestellt, bedeckt etwa 80.000 Quadratmeter und ist selbst vom Satelliten aus sichtbar.

Die Verbindung Poggioreale-Cretto di Burri ist unumgänglich: auf der einen Seite die nackten Ruinen, auf der anderen die durch die Kunst verklärten. Zwei unterschiedliche Antworten auf dieselbe Katastrophe, beide kraftvoll und bewegend.

Praktische Informationen

Anreise

Poggioreale vecchia liegt im Hinterland der Provinz Trapani, etwa 80 km vom Hauptort und 100 km von Palermo entfernt. Man erreicht es mit dem Auto über die SS624 bis zur Ausfahrt Poggioreale. Der alte Ort ist ausgeschildert, der Parkplatz liegt an der Zufahrtsstraße.

Tipps für den Besuch

- Feste Schuhe mit rutschfester Sohle: das Gelände ist uneben, mit lockeren Steinen und wuchernder Vegetation

- Nicht in die Gebäude eintreten: die Einsturzgefahr ist hoch, besonders nach Regenfällen

- Reichlich Wasser und Sonnenschutz mitbringen: der Ort ist ungeschützt und schattenlos

- Mindestens zwei Stunden für einen vollständigen Besuch des Ortes einplanen, plus eine Stunde für den Cretto di Burri

- Das Licht des Sonnenuntergangs ist auf den Ruinen außergewöhnlich

Der Kontext des Belice

Das Belice-Tal trägt noch die Spuren des Erdbebens und des umstrittenen Wiederaufbaus, der folgte. Neben Poggioreale und Gibellina wurden auch Salaparuta und Santa Margherita di Belice schwer getroffen. Das neue Gibellina wurde mit Eingriffen zeitgenössischer Architektur und öffentlicher Kunst wiederaufgebaut und bildet einen schrillen Kontrast zur umgebenden Landschaft. Es ist eine Gegend, die die Widersprüche des Italien der Nachkriegszeit wie kaum eine andere erzählt.

In der Umgebung

Zum Mittagessen servieren die Trattorien im Hinterland von Trapani Busiate mit Trapani-Pesto, Fisch-Couscous und frittierte Cassatelle. Die Weine der Gegend — insbesondere jene der Kellereien um Menfi und Santa Margherita — sind exzellent und noch wenig bekannt. Wer Zeit hat, kann weiter nach Selinunt, den größten griechischen Ausgrabungspark Europas, fahren, etwa 50 km entfernt.

Wann besuchen

Die besten Monate sind März, April, Mai, Oktober und November. Der sizilianische Sommer im Landesinneren ist erbarmungslos, mit Temperaturen über 40 Grad und keinem Schatten in den Ruinen. Der Frühling verwandelt das Land in einen Teppich aus Wildblumen, das goldene Licht hebt die Farben des Steins hervor. Der Herbst ist mild und die Tage noch lang.

Praktische Informationen

Qual è il periodo migliore per visitare Poggioreale vecchia?

Il periodo consigliato è März, April, Mai, Oktober e November, quando è meno affollata.

Poggioreale vecchia è affollata?

Poggioreale vecchia è una meta quasi deserta rispetto alle destinazioni più turistiche.

Dove si trova Poggioreale vecchia?

Poggioreale vecchia si trova in Poggioreale, Sizilien.

Adatto a: Marzo Aprile Maggio Ottobre Novembre

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