Gressoney-Saint-Jean: Walser-Architektur am Fuß des Monte Rosa
Gressoney-Saint-Jean enthüllt die Walser-Kultur zwischen jahrhundertealten Holzhäusern, Castel Savoia und den majestätischen Panoramen des Monte Rosa.
Foto: Hagai Agmon-Snir حچاي اچمون-سنير חגי אגמון-שניר (CC BY-SA 4.0) — Wikimedia Commons
Ein Stück germanische Kultur in den italienischen Alpen
Steigt man das Tal des Lys vom Talboden von Pont-Saint-Martin hinauf, verändert sich die Landschaft allmählich. Die Weinberge weichen Kastanien, dann Lärchen, und die Architektur wandelt sich: Es tauchen die Stadel auf, dunkle Holzhäuser auf pilzförmigen Steinstelzen, mit Balkonen voller Geranien im Sommer und Schnee im Winter. In Gressoney-Saint-Jean auf 1385 Metern spürt man, dass man eine andere Welt betreten hat. Hier spricht man noch — oder sprach bis vor wenigen Jahrzehnten — Titsch, eine Variante des alemannischen Deutsch, die die Walser mitbrachten, ein Hirten- und Bauernvolk, das im 13. Jahrhundert vom Schweizer Wallis über die Alpenpässe migrierte und die höchsten Täler des westlichen Alpenbogens besiedelte. Titsch ist noch zu hören in den Gesprächen der Älteren, in den Weilernamen, auf den Schildern alter Läden.
Castel Savoia
Das Wahrzeichen von Gressoney ist Castel Savoia, die Sommerresidenz von Königin Margherita, zwischen 1899 und 1904 im eklektizistischen Stil auf einem waldigen Hügel am Ortsrand errichtet. Fünf spitzbedachte Türmchen, ein Park mit einem alpinen botanischen Garten, in dem Alpenrosen, Enziane und Edelweiß blühen, und eine großartige Lage mit Blick auf den Lyskamm-Gletscher und die Ostwand des Monte Rosa. Das Innere ist zu besichtigen und überrascht durch Eleganz: Räume mit geschnitzten Nussholzvertäfelungen, Ginori-Keramiken, eine graue Steinwendeltreppe zum Hauptturm und das Königinnenschlafzimmer mit atemberaubendem Panorama. Königin Margherita liebte den Monte Rosa so sehr, dass sie 1893 bis zur Hütte hinaufstieg, die noch heute ihren Namen trägt, auf 4554 Metern — die höchste Schutzhütte Europas, wo sie die Nacht verbrachte, um den Alpen-Sonnenaufgang zu erleben.
Der Ort und die Walser-Kultur
Der Kern von Gressoney-Saint-Jean gruppiert sich um die Pfarrkirche und den Platz mit dem Brunnen, wo sonntags ein kleiner Markt mit regionalen Produkten stattfindet. Die traditionellen Walser-Häuser — aus vom Alter geschwärzten Lärchenholz mit gemauertem Steinsockel — findet man vor allem in den Höhenweilern: Obre Biel, Onderteil, Trentul. Ein Gang durch diese Weiler ist wie ein Rundgang durch ein Freilichtmuseum alpiner Volksarchitektur: Jedes Haus hat eine Bauweise, die den Wintern auf 1500 Metern trotzt, mit einem Heustadel im Obergeschoss als Wärmedämmung und einem Steinunterbau gegen Feuchtigkeit.
Das Museo Regionale della Fauna Alpina im Villa Beck-Peccoz aus dem 19. Jahrhundert zeigt eine der reichsten Sammlungen alpiner Fauna Europas, mit eindrucksvollen naturkundlichen Dioramen und Trophäen der Jäger-Naturforscher-Familie, die die Villa erbauen ließ. Die Säle rekonstruieren die Lebensräume der Berge — vom Fichtenwald bis zu den Gletschern — mit präparierten Tieren in realistischen Posen. Zur Vertiefung der Walser-Kultur bietet das Kulturzentrum Walsergemeinschaft Führungen, Vorträge und eine Fachbibliothek.
Wanderungen
Gressoney ist Ausgangspunkt für Wanderungen jeden Niveaus, von der Familientour bis zum Hochgebirgsalpinismus:
- Lago di Gover — Bergsee, in 20 Minuten zu Fuß vom Ort aus erreichbar, mit Picknickplatz, Bänken und Spiegelungen des Monte Rosa bei klarer Sicht. Ideal für Familien.
- Walserweg — verbindet die historischen Weiler und ihre Stadel durch Lärchenwälder, Almen und Holzstege. Als Rundweg etwa drei Stunden.
- Aufstieg zum Colle della Ranzola — Halbtageswanderung (ca. 4 Stunden hin und zurück) mit Blick auf das gesamte Ayas-Tal, das Matterhorn und den Mont Blanc bei klarer Sicht.
- Punta Jolanda und Rifugio Città di Mantova — für erfahrene Bergsteiger, Eintritt in die Hochgebirgswelt des Monte Rosa mit Gletschern, Séracs und grenzenloser Aussicht.
Bei Tisch
Die Küche mischt Aostataler Tradition und Walser-Einflüsse mit Gerichten, die es sonst nirgends gibt:
- Chnéfflene — kleine Klöße aus Mehl, Ei und Milch, mit zerlassener Butter, geriebenem Käse und geschmorten Zwiebeln: das Walser-Gericht schlechthin, einfach und wärmend.
- Chnolle — lokale Knödel aus altbackenem Brot, Speck und Kräutern, entweder in dampfender Fleischbrühe oder trocken mit Butter und Salbei.
- Fontina d'alpeggio — im Sommer auf den Almen über dem Ort hergestellt, mit einem intensiveren, komplexeren Geschmack als die aus dem Talboden, mit Noten aromatischer Kräuter.
- Walnusstorte — rustikale Süßspeise der Walser-Tradition, mit gehackten Walnüssen, Honig und Gewürzen, dicht in der Konsistenz und mit geröstetem Aroma.
Ein halbes Dutzend Restaurants gibt es im Ort, von der Trattoria mit karierter Tischdecke bis zum gepflegteren Lokal mit Blick auf den Monte Rosa. Alle servieren die Küche der Region ehrlich und in großzügigen Portionen.
Praktische Informationen
Gressoney-Saint-Jean erreicht man über die A5, Ausfahrt Pont-Saint-Martin, und dann etwa 30 km durch das Lys-Tal auf einer Panoramastraße, die im Sommer ein Vergnügen ist. Eine Bahnverbindung gibt es nicht, aber regelmäßige Busse verkehren zwischen Pont-Saint-Martin und Gressoney und weiter bis Gressoney-La-Trinité. Ideal ist die Zeit von Juni bis September für Wanderungen und Castel Savoia (April bis Oktober geöffnet). Der Winter bietet Langlauf auf gespurten Loipen, Schneeschuhwanderungen im Wald und eine gemütliche Stimmung, wenn der Schnee die Stadel bedeckt. Mai und Oktober sind Übergangsmonate: weniger Angebote, aber wunderbares Licht und eine Einsamkeit, die den Ort und die Wege genießen lässt, ohne jemandem zu begegnen.
Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Gressoney-Saint-Jean?
Il periodo consigliato è Juni, Juli, August e September, quando è meno affollata.
Gressoney-Saint-Jean è affollata?
Gressoney-Saint-Jean è una meta molto tranquilla rispetto alle destinazioni più turistiche.
Dove si trova Gressoney-Saint-Jean?
Gressoney-Saint-Jean si trova in Gressoney-Saint-Jean, Aostatal, Italien.