Molise: die Region, die „nicht existiert" (und das ist besser so)
Zwischen Dörfern mit wenigen Seelen, Wanderpfaden und einem von den Reiseführern ignorierten Meer ist Molise das Anti-Overtourism in Regionalform.
Foto: Marica Massaro (CC BY-SA 4.0) — Wikimedia Commons
Molise ist zu einem Meme geworden: "Molise existiert nicht." Für wer das Gegenteil vom Overtourism sucht, ist genau das der Punkt. Eingebettet zwischen Abruzzen, Kampanien und Apulien ist es die nach dem Aostatal kleinste Region Italiens und auch eine der am wenigsten besuchten: keine Schlangen an den Eingängen, keine überschwemmten Plätze, keine Reihen von Reisebussen. Hier hat der Tourismus noch nicht gelernt zu schreien, und die Stille ist das Erste, was auffällt.
Die Glocken von Agnone
Das Herzstück einer Molise-Reise ist die Langsamkeit. In Agnone, hoch oben auf dem Apennin von Isernia, wird seit Jahrhunderten die Kunst des Glockengusses überliefert: Die Pontificia Fonderia Marinelli gilt als eines der ältesten Familienunternehmen der Welt, und 1924 erhielt sie von Papst Pius XI. das Privileg, ihre Bronzen mit dem päpstlichen Wappen zu schmücken. Neben der Gießerei erzählt ein kleines Museum diese jahrtausendealte Geschichte. Sie bei der Arbeit zu sehen, den Klang einer gerade gegossenen Glocke zu hören, ist ein Erlebnis, das man nur an wenigen anderen Breitengraden noch erleben kann.
Die Wanderpfade der Transhumanz
Dann sind da die Tratturi, die großen grasbewachsenen Wege der Transhumanz, an manchen Stellen bis zu hundert Meter breit, seit der samnitischen und römischen Zeit von Hirten befahren, die ihre Herden zwischen Bergen und Ebene bewegten. 2019 wurde die Transhumanz von der UNESCO in das immaterielle Kulturerbe der Menschheit aufgenommen, und Molise bewahrt eines der ausgedehntesten und ablesbarsten Netze Italiens. Sie zu gehen, und sei es nur ein Stück, heißt in eine Landschaft einzutreten, die außerhalb der Zeit geblieben ist.
Die verlassene Küste
Auf der gegenüberliegenden Seite öffnet sich eine kurze, aber auch im August fast verlassene Küste, von den Trabucchi in Termoli bis zu den Stränden von Campomarino, von wo die Fähren zu den Tremiti-Inseln ablegen. Am besten bewegt man sich mit dem Auto entlang der Nebenstraßen des Landesinneren, mit der Bereitschaft, in einer Dorfbar nach dem Weg zu fragen und ohne straffes Programm anzuhalten.
Wann hingehen
Wann hingehen? Frühling und Frühherbst schenken klares Licht und ganz eigene Dörfer, während der Sommer im Vergleich zu den nahen, überlaufenen Zielen erstaunlich lebenswert bleibt. Molise verlangt nicht, in Eile konsumiert zu werden: Es verlangt Respekt, Zeit und wenige, gut erlebte Etappen. Eine Reise, die im Gegenzug Stille schenkt.
Anreise
Mit dem Auto erreicht man Molise bequem von der Adria, indem man die A14 nimmt und bei Termoli abfährt, von wo die Staatsstraße 647 ins Landesinnere und nach Campobasso hinaufführt. Mit dem Zug ist die natürliche Eingangspforte der Bahnhof Termoli auf der Adrialinie Mailand-Bari, während Isernia von der Linie aus Rom bedient wird; von dort geht es mit Bus oder Auto zu den Dörfern weiter. Molise hat keine eigenen Flughäfen: Die zuständigen Flughäfen sind Pescara (der nächste) und, weiter entfernt, Rom und Neapel.
Praktische Informationen
Qual è il periodo migliore per visitare Molise?
Il periodo consigliato è Mai, Juni, September e Oktober, quando è meno affollata.
Molise è affollata?
Molise è una meta quasi deserta rispetto alle destinazioni più turistiche.
Dove si trova Molise?
Molise si trova in Molise, Italien.
Anfahrt
- 🚆 Nächster Bahnhof: Campobasso ~0 km Luftlinie
- ✈️ Nächster Flughafen: Aeroporto di Foggia "Gino Lisa" FOG ~74 km Luftlinie
Punti più vicini in linea d'aria (fonte OpenStreetMap): i tempi reali dipendono dalle strade, spesso di montagna.